Das Projekt

Die Region Industriekultur Steingut dokumentiert anhand der Fabrikanlage der Waechtersbacher Keramik, wie sehr die industrielle Revolution die Lebenswelten der Menschen verändert hat. Architektur, Ortsbilder, Fabrikwege und Produktionsgeschichte werden dabei als kulturelles Gedächtnis einer Gesellschaft verstanden, die auf der Suche nach einer neuen Identität sich mit Fragen wie Nationenbildung, Stilbildung (Historismus) oder Fremdheit (Arbeitsmigration) auseinandersetzen muss. Die Waechtersbacher Keramik eignet sich deswegen besonders, weil hier früh Antworten auf die Probleme der Industrialisierung gesucht wurden. Hier wurde bereits 1856 die älteste Betriebskrankenkasse Deutschlands gegründet, ebenso 1877 die Fabriksparkasse oder 1888 die erste Fabrikzeitung Europas. Streik, Aussperrung, Arbeitskampf und Lebensmittelversorgung, genauso wie Gastarbeiter und Umgang mit Fremden lassen sich beispielhaft untersuchen. Daraus erwachsen innovative kulturelle Impulse für gegenwärtige Fragen.

Bisher ist die Waechtersbacher Keramik in Brachttal-Schlierbach vor allem durch ihre kunsthistorisch hochbedeutende Produktion bekannt. Bedeutende Entwürfe von Joseph Maria Olbrich, Ferdinand Luthmer, Max Roesler, Albin Müller, Hans Christiansen aber auch von Zaha Hadid, Ettore Sottsas oder Michael Graves wurden hier realisiert. Viele davon stehen in internationalen Sammlungen wie dem MOMA in New York, der Sammlung Bröhan in Berlin oder dem Museum Künstlerkolonie Mathildenhöhe, Darmstadt. Auch die bahnbrechenden keramischen Glasuren und Gestaltungen gewöhnlicher Konsumprodukte waren wegweisend.

Das Projekt erfährt politische Unterstützung durch die benachbarten Gemeinden Birstein und Wächtersbach und dem Main-Kinzig-Kreis. Es wird gefördert durch die Mitgliedschaft der Gemeinde Brachttal in der KulturRegion Frankfurt-RheinMain und bei SpessartRegional, ist ein überregional bedeutender Ort der Route der Industriekultur Rhein-Main und hat bereits mehrfach an den Tagen der Industriekultur teilgenommen. Die große öffentliche Identifikation mit der ehemaligen Fabrik in der Bevölkerung dokumentiert das soziodemografische Projekt Waechtersbach.Org.

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