Die Ressourcen

Wer hätte ein beispielloses Architekturensemble in einem grünen, idyllischen Mittelgebirgstal erwartet? Zusammen mit dem Dorf Schlierbach und Umgebung dokumentiert die romantische Fabrikanlage der Waechtersbacher Keramik den Wandel Europas der letzten hundertachtzig Jahre – von einer Agrargesellschaft über die Industrialisierung bis hin zu einer deindustrialisierten Dienstleistungsgesellschaft.

Deckblatt des Verkaufskatalogs der Waechtersbacher Keramik aus den 1880er Jahren

Deckblatt des Verkaufskatalogs der Waechtersbacher Keramik aus den 1880er Jahren

Obwohl die beispiellose Fabrik- und Ortsanlage wegen ihres Alters (seit 1832) und ihrer Geschlossenheit zu den wichtigsten Fabrikkomplexen der Metropolregion Rhein-Main gehört, ist sie kaum bekannt und akut gefährdet. Englische Landhausarchitektur, frühindustrielle Hallen, Flugbetongewölbe von Martin Elsässer, hölzerne Hochregallager finden ihr Gegenstück im Ortsbild Schlierbachs: In dem ehemaligen Bauerndorf zeigen ein alter Bahnhof, Arbeitersiedlungen, mehrere Direktorenhäuser, eine Künstlerkolonie und ein Kirchenbau des neunzehnten Jahrhunderts wie sich ein Bauerndorf binnen 60 Jahren zu einem Industrieort wandelt. Die gesellschaftlichen Umwälzungen Europas durch die Industrialisierung sind hier begreifbar.

Brachttal, Ansichtskarte der Waechtersbacher Keramik aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Brachttal, Ansichtskarte der Waechtersbacher Keramik aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Der Verein Industriekultur Steingut e.V. ist angetreten, dieses kulturelle Erbe zu retten und zu entwickeln.

Der Fabrikkomplex Waechtersbacher Keramik steht heute in Teilen leer. Einige der Gebäude sind von Verfall bedroht und die historischen Zusammenhänge der Industrieregion verschwinden mehr und mehr. Mit einer Stiftung will der der Verein das materielle und immaterielle Erbe einer der größten Steingutfabriken Deutschlands sichern und fortschreiben.

Wir haben Fragen an die Vergangenheit:
Was geschah, wenn Söhne in einer Fabrik statt auf dem Bauernhof arbeiteten? Wer plante die Siedlungen für Arbeiter? Welche Künstler wirkten hier? Woher kamen die 900 Menschen, die hier einst arbeiteten, wenn das Dorf nur 300 Einwohner hatte? Wie funktionierten Wirtschaft, Integration, Design, Alltagsleben und Sozialfürsorge?

Und wir haben Fragen an die Zukunft:
Welchen Sinn hat eine leerstehende Fabrik? Was ist Heimat? Wer macht einen Stil? Wie funktionieren Wirtschaft, Integration, Design, Alltagsleben und Sozialfürsorge heute? Und wie werden sie sich in Zukunft entwickeln? Welchen Sinn haben unterschiedliche Architekturformen? Was ist Arbeit?

Wir möchten den historischen, kulturellen, wirtschaftlichen und architektonischen Komplex „Waechtersbacher Keramik“ in seiner frühindustriellen Kulturlandschaft erzählen und beleben.

Museum, Konzerte, Feste, Tagungen, Fotosessions, Instandsetzung: Das Projekt ist ein offener Denkraum, die ersten Schritte sind gemacht. Kommen Sie mit und gestalten Sie gemeinsam mit uns – werden Sie Mitglied bei einem aufregenden Zukunftsprojekt mit Vergangenheit.

Brachttal, Waechtersbacher Keramik, Platanenhof, englische Landhausarchitektur

Brachttal, Waechtersbacher Keramik, Platanenhof, englische Landhausarchitektur

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